Kriterien für gute Produktgestaltung

Unsere Welt ist heute eine Welt der Produkte. Haben Sie sich darüber schon einmal Gedanken gemacht? In Industrieländern wie Deutschland ist fast nichts mehr Natur, alles ist in gewisser Hinsicht Produktdesign. Sogar die Landschaft ist in weiten Teilen Deutschlands eine Kulturlandschaft, entstanden durch die wirtschaftliche Nutzung natürlicher Ressourcen, durch die Landwirtschaft, die Begradigung und Umleitung von Flüssen, den Städtebau und viele weitere menschliche Einflüsse. Die Anzahl an Produkten nimmt in der Entwicklungsgeschichte der Menschheit kontinuierlich zu. Experten gehen davon aus, dass der Gewinn durch die Herstellung von Produkten weltweit in den letzten Jahren um mindestens 90 Prozent gestiegen ist, ein Trend, der sicher anhalten wird.

Egal ob Handy, Auto, Rasierer oder Espresso-Kocher, jedes Produkt ist nicht nur ein Ergebnis technischer Entwicklungen, sondern ebenso der Produktgestaltung und der Vermarktung. Was aber macht gute Produktgestaltung aus? Anhand welcher Kriterien entwerfen Industriedesigner die Gestalt eines Produktes?

Das Produkt ist der Ausgangspunkt des Designs

Da sind zunächst die offenkundigen Rahmenbedingungen, die durch das Produkt und seine Funktion vorgegeben werden. Wie wird der Kunde mit dem Produkt umgehen? Wird er es in der Hand halten, unter Wasser benutzen oder in ein Regal stellen? Ist das Produkt überhaupt ein Gegenstand? Wer ist die Zielgruppe, wen soll das Design ansprechen? Wie hoch ist das Budget des Kunden? Welche Konkurrenz Produkte gibt es und wie soll sich das neue Produkt von diesen unterscheiden? Welche technischen Bedingungen müssen für die Funktion des Produktes erfüllt werden? Diese und viele weitere Aspekte spielen bei der Entstehung eines Produktdesigns eine Rolle. Das Produkt selbst steht also immer an erster Stelle, die Form folgt der Funktion.

Die Frage der Ästhetik in der Produktgestaltung

Und die Schönheit? Soll das Produkt nicht auch ansprechend aussehen? Was ist überhaupt schön? Schon in der Antike haben sich Philosophen und Architekten mit der Frage nach der universellen Schönheit beschäftigt. Schauen wir uns erfolgreiche Produkte an, können wir sicher feststellen, dass die Frage nach einer universellen Ästhetik schwer zu beantworten ist, vor allem in einer globalisierten Welt, denn unser Geschmack ist auch kulturell geprägt. Was Menschen schön finden, ist einem stetigen Wandel unterlegen. Zudem kann unser ästhetisches Empfinden nicht unabhängig von zahlreichen Einflüssen aus Werbung, Marketing und sozialem Umfeld betrachtet werden.

Dieter Rams über gutes Design

Der Designer Dieter Rams hat zehn Thesen über gutes Produktdesign aufgestellt. Ein Patentrezept für gute Produktgestaltung gibt es nicht, aber mithilfe Rams Überlegungen kommen wir der Sache ein Stück näher. Gute Produktgestaltung zeichnet sich demnach durch folgende Attribute aus:

  • innovativ (nicht als Selbstzweck, sondern in Zusammenhang mit innovativer Technik)
  • brauchbar im Sinne einer guten Benutzbarkeit
  • ästhetisch
  • verständlich (eine gute Gestaltung macht ein Produkt verständlich)
  • ehrlich (die Gestaltung sollte nichts vortäuschen, was das Produkt nicht hält)
  • unaufdringlich
  • zeitlos
  • konsequent
  • umweltfreundlich
  • einfach