Form und Funktion in der modernen Produktgestaltung

Was steht am Anfang, die Funktion oder das Design?

Die Frage nach Henne und Ei ist in der Produktgestaltung relativ einfach zu beantworten. Am Anfang jedes Produktdesigns steht zwar noch nicht das Produkt selbst, in der Regel aber seine Funktion, also gewisse Anforderungen, Vorstellungen und Ideen. Die Rahmenbedingungen für die Gestaltung des Produktes gehen immer von der Funktion aus.

Grundsätzlich kann es Produktgestaltung ohne Produkt, Design ohne Funktion nicht geben. Diese Aussage klingt zunächst banal, aber genau hierin unterscheidet sich Design von Kunst. Es gibt allerdings Design Konzepte, Design Philosophien und ästhetische Vorstellungen, die auch unabhängig von einem Produkt existieren können.

Umgekehrt hingegen ist ein Produkt ohne Produktgestaltung durchaus möglich. An dieser Stelle kommt möglicherweise der Einwand auf, dass Produkte doch immer eine Gestaltung haben, auch wenn diese nicht von einem Designer entworfen wurde. Produkte haben ohne Design durchaus eine Gestalt, eine Gestalt ist jedoch noch keine Produktgestaltung. Produktdesign ist immer intentional und durchdacht.

„Die Form folgt der Funktion“ gehört zu den wichtigsten Grundsätzen der Produktgestaltung, aber was bedeutet das konkret?

 

Form follows Function

Der Ausdruck „Form follows Funktion“ geht auf den amerikanischen Bildhauer Horatio Greenough zurück, der ihn bereits 1852 als organisches Prinzip der Architektur formulierte. Später wurde der Begriff von Lois Sullivan, einem der ersten amerikanischen Hochhausarchitekten, wieder aufgegriffen. In Deutschland schließlich wurde das Prinzip der Form, die der Funktion folgt, durch das Bauhaus berühmt, hier gehörte es zu den wichtigsten Grundprinzipien moderner Produktgestaltung und Architektur. Die richtungsweisenden Künstler und Architekten des Bauhauses, vor allem Walter Gropius, argumentierten mit diesem Grundsatz gegen jegliches schmückende Element in der Architektur und im Produktdesign. Gestaltung wurde auf die reine Funktion reduziert, auf das Ornament wurde verzichtet.

Welche Funktion hat ein Produkt? Diese Frage hat heute ganz sicher eine andere Dimension.

 

Die Funktion eines Produktes im 20. und 21. Jahrhundert

Die Architekten und Künstler des Bauhauses verstanden unter „Funktion“ die rein technische Funktion eines Produktes. Die technische Funktion der Produkte war auch im 20. Jahrhundert längst nicht mehr ihre einzige. Heutzutage ist die wichtigste Funktion eines Produktes sein wirtschaftlicher Wert, Produkte werden vorwiegend zur Gewinnerzielung hergestellt. Die technische Funktion ist dazu in der Regel notwendig. Bei vielen Produkten, die heute auf den Markt kommen, unterliegt die technische Funktion der wirtschaftlichen. Nicht jedes Produkt bietet die maximale Leistung, die technisch möglich wäre.

Produkte kommen in mannigfacher Ausführung von den verschiedensten Herstellern auf den Markt. Nur wenige dieser Produkte sind auch eine technische Innovation. Moderne Produktgestaltung dient im 21. Jahrhundert auch dazu, Marken und Produkte voneinander abzugrenzen.

Die Optik eines Produktes hat mit dem wirtschaftlichen Erfolg eines Produktes maßgeblich zu tun. In diesem Zusammenhang bekommt das Ornament wieder eine ganz neue Bedeutung. Das Schmückende ist kein nutzloses Beiwerk mehr, sondern kann äußerst zweckdienlich sein.

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